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Abstracts
Ausgabe 10/11

Übersetzen und interkulturelle Kommunikation: deutsche evangelische Missionare als Vorläufer im kolonialen Togo
Gilbert Dotsé Yigbe (Lomé)
Durch die der eigentlichen Bibelübersetzung vorausgehende Auseinandersetzung mit den Ewe-Volksliedern, -Märchen, -Sprichwörtern und -Personennamen sowie mit den verschiedenen Phasen und Aspekten des individuellen und kollektiven Lebens der Ewe haben die deutschen evangelischen Missionare eine gewisse interkulturelle Kompetenz erworben, die nicht nur einen günstigen Rahmen für die offizielle deutsche Kolonisation in Togo geschaffen, sondern auch die Beziehungen zwischen Deutschland und Togo nachhaltig beeinflusst hatte. Die auf die Zielkultur ausgerichtete Übersetzung nach dem Lutherschen Modell ist durch hybride situative Zusammenhänge gekennzeichnet worden, die durch den Kontakt zwischen der christlichen biblischen Schriftkultur und der afrikanischen oralen Kultur zustande kamen. Der vorliegende Beitrag versucht zu zeigen, dass die missionarische Übersetzung im kolonialen Togo auch einen multidimensionalen und multimedialen Vorgang darstellt und als eine kulturelle Transaktion betrachtet werden kann.

Janheinz Jahns Übersetzung der Dichtung Léopold Sédar Senghors - Eine kritische Würdigung
János Riesz (Bayreuth, München)
Der Aufsatz ist aus Überlegungen meiner Überarbeitung der von Janheinz Jahn übersetzten Ausgabe der Sämtlichen Gedichte (1963) von Léopold Sédar Senghor hervorgegangen. Er ist nach drei Hauptpunkten gegliedert. Diese betreffen (1) die Übersetzung unter dem Aspekt eines „Gesamtwerkes“, (2) die einzelnen Sammlungen und ihren Platz innerhalb des Gesamtwerkes sowie die Platzierung der Gedichte innerhalb der einzelnen Sammlungen, (3) sprachliche und sachliche Probleme bei der Übersetzung der einzelnen Gedichte anhand von Beispielen aus der Sammlung Hosties Noires. Der unter dem unmittelbaren Eindruck der Négritude und ihres Repräsentanten Senghor entstandenen Übersetzung wird der Status eines „Klassikers“ eingeräumt, der aber dennoch einer unserem heutigen Verständnis entsprechenden Überarbeitung bedarf. 

Die Übersetzung afrikanischer Mündlichkeit aus dem Französischen ins Deutsche am Beispiel von Djibril Tamsir Nianes Soundjata und Ahmadou Kouroumas En attendant le vote des bêtes sauvages
Amatso Obikoli Assemboni (Lomé)
Die vorliegende Untersuchung greift hauptsächlich auf ein klassisches afrikanisches Werk zurück, um damit einige Schwierigkeiten der Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche zu veranschaulichen. Es handelt sich um Djibril Tamsir Nianes Soundjata ou l'épopée mandingue (1960) – deutsche Übersetzung: „Soundjata“ (1975). Ab und zu wird auch auf einige Sprichwörter aus Ahmadou Kouroumas En attendant le vote des bêtes sauvages (1997) – deutsche Übersetzung: „Die Nächte des großen Jägers“ – zurückgegriffen. Diese Werke erscheinen deswegen geeignet, weil sie für „typisch afrikanische“ Literatur paradigmatisch ein hohes Maß an Mündlichkeit aufweisen. Kann man jedoch behaupten, dass sie, weil sie „typisch afrikanisch“ sind, unübersetzbare Realitäten beschreiben? Sind die Übersetzungen gelungen? Wie können diese Realitäten übersetzt werden, um die interkulturelle Kommunikation zwischen Afrika und dem deutschen Sprachraum zu erleichtern? 

Entwurf einer Übersetzungsdidaktik literarischer Texte im DaF-Unterricht in Afrika südlich der Sahara
Jean-Claude Bationo (Koudougou)
Im Fremdsprachenunterricht wurden lange Zeit die Sprachfertigkeiten Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben betont, die Übersetzung wurde dabei vernachlässigt. Dennoch ist der Erwerb auch dieser Fertigkeit im Fremdsprachenunterricht im Zeitalter des Austauschs der Kulturen unentbehrlich. Vorliegend geht die Überlegung von dieser Relevanz der Übersetzungsfertigkeit aus, um für eine literarische Übersetzung im DaF-Unterricht in Afrika südlich der Sahara zu plädieren. Die Didaktik der Übersetzung literarischer Texte im Fach Deutsch als Fremdsprache scheint derzeit noch nicht entwickelt zu sein. Dieser Mangel liegt in der Problematik der Didaktik der Übersetzung selbst begründet. Daher werden im vorliegenden Aufsatz einige Gedanken zu einer Didaktik der Übersetzung literarischer Texte formuliert, indem ein Akzent auf die französischsprachige schwarzafrikanische Literatur und ihre Übertragung ins Deutsche gelegt wird.

Translation in der Methodengeschichte des Fremdsprachenunterrichts mit Konsequenzen für Deutsch als Fremdsprache
Salifou Traoré (Bangkok)
Nach einem Kurzüberblick über die Geschichte der Translation im Fremdsprachenunterricht von der Grammatikübersetzungsmethode bis zum aufgabenorientierten Fremdsprachenunterricht wird in Anlehnung an den Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeR) für Sprachen die Rolle der Translation im universitären Deutsch als Fremdsprache- Unterricht bei erstsprachlich homogenen Lernergruppen diskutiert. 

Die Problematik der Farbbezeichnung im Kontext des DaFUnterrichts an der Deutschabteilung der Universität Abomey- Calavi in Benin.
Constant Kpao Sare (Cotonou)
Farbbezeichnungen sind dazu geeignet, transkulturelle Kompetenzen im DaF-Unterricht zu fördern. Der transkulturelle Ansatz besteht darin, die Farbensymbolik in dem „Zwischenraum“ zu vermitteln, wo die kulturelle Überlappung stattfindet. Die hier formulierten Überlegungen beruhen auf Beobachtungen zweier Unterrichtssituationen im beninischen Kontext, nämlich einer Übersetzungsübung und einer Literatursitzung. Anhand einer Textpassage aus Hermann Hesses Roman Klingsors letzter Sommer (1919) wird gezeigt, wie die Deutschstunde dazu dienen kann, die transkulturelle Verständigung der Studierenden zu verstärken.

Literarische Heldenkonstruktionen als „Hypermnesie“ : Das Beispiel von Martin Paul Samba aus Kamerun Richard Bertin
Tsogang Fossi (Dschang)
This paper argues the construction of collective memory in Cameroonian postcolonial literature. It focuses on the way writers rediscover some historical personalities out of German and French colonial periods, by turning them into subjects of their creative writing. A key example here is the case of Martin Paul Samba from the South region of Cameroon, who graduated as a German colonial “officer” in 1892 in Germany and returned to the colony, where he participated as Hans Dominik’s clerk in the pacification of Cameroon, before resigning from the colonial army in 1899 to settle as a businessman in Nanga-Eboko. In taking the example of Martin Samba, it appears that the literary reconstruction of historical personages is the place of abuses, whereby authors highlight both forgetting and remembrance through the exaggeration of qualities of the historical hero.