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  Abstracts
Ausgabe 1
 
 

 
Wege zur afrikanischen Germanistik. Zeit einer Zwischenbilanz
Salifou Traoré (Bamako/Bangkok)

Der Beitrag versucht zunächst Konstituierungsphasen der Germanistik in den französischsprachigen Ländern Afrikas südlich der Sahara, und zwar in Benin, Burkina Faso, Cameroun, Côte d'Ivoire, Madagascar, Mali, Senegal und Togo herauszuarbeiten. Anschließend wird dann die afrikanische Germanistik in Lehre und Forschung beleuchtet. Dies ist insofern wichtig, als die Lehre und Forschung an afrikanischen Germanistikabteilungen kaum wahrgenommen wird; auch in der 702 Seiten umfangreichen Dissertation von Böhm (2003) zum Deutsch in Afrika fand dieser Aspekt keine Beachtung.

De la délocalisation au training à la vie interculturelle: quelques remarques sur les manuels d'Allemand dans le cycle secondaire au Cameroun de 1960 à nos jours
Esaie Djomo (Dschang)

Réintroduit au programme après le mandat français, l'enseignement de l'allemand se fait sur la base de certains paradigmes éducatifs qu'on retrouve à partir des manuels utilisés : De 1960 à 1975, c'est la délocalisation de l'apprenant africain, car les manuels français lui présentent les problèmes d'un univers qui lui est totalement inconnu. La première tentative de correction de cette bévue a lieu avec Yao lernt Deutsch qui, de 1975 à 1990, remplace les précédents. Ce support didactique opte résolument pour l'africanisation, mais conçu unilatéralement par des Allemands, il présente des insuffisances que son remplaçant depuis 1990, Ihr und Wir, ouvre d'un collectif d'auteurs majoritairement africains, corrigera à son tour tout en conservant ses acquis. Son paradigme éducatif déclaré est l'entraînement de l'élève à la vie interculturelle.

Interkulturelles Training als Lernziel. Ein literaturwissenschaftliches Modell aus der Praxis in Dschang
Albert Gouaffo (Dschang, Saarbrücken)


Das Konzept des interkulturellen Trainings umfasst Domänen wie Wirtschaftskommunikation, Kinder- und Jugendarbeit, Migranten- sowie Dritte-Welt-Pädagogik. Der vorliegende Beitrag diskutiert die verschiedenen Aspekte dieses Konzeptes und versucht, die Praxis des interkulturellen Trainings im Landeskunde- und Literaturunterricht in Kamerun zu legitimieren. Dies geschieht mit Hilfe der oft abschätzig betrachteten kolonialen Reiseliteratur, eine Gattung par excellence, in der Begegnungssituationen zwischen einer beobachtenden europäischen Kultur und einer beobachteten afrikanischen Kultur metaphorisch inszeniert werden.

Tendenzen im deutsch-kamerunischen Sprachvergleich: Bilanz und Perspektiven
Bernard Mulo Farenkia (Yaoundé / Saarbrücken)

Der Verfasser nimmt den heutigen Stand des deutsch-kamerunischen Sprachvergleichs unter die Lupe, konstatiert ein verbreitetes Unbehagen sowohl auf der Ebene der Themen bzw. Inhalte als auch auf der der methodischen Vorgehensweisen der vorliegenden Untersuchungen. Im Anschluss daran versucht er, einige Desiderata zu erwähnen und einige zukunftsträchtigere Ansätze zu skizzieren. Besonders betont wird das Plädoyer für eine Abkehr von der Auseinandersetzung mit rein semasiologisch orientierten Themen, für eine Abkehr von vorwiegend interlingual fundierten Arbeiten, und für eine Hinwendung zu onomasiologisch, pragmatisch und vor allem interkulturell geprägten Analysen, die nicht nur sprachdidaktischen Zwecken dienen, sondern auch das Bett für Diskussionen über die Rolle von Sprache in einer multikulturellen Gesellschaft wie Kamerun und in der (deutsch-kamerunischen) interkulturellen Kommunikation bereiten.

Zehn Jahre Deutschstudium an der Universität Dschang: eine Bestandsaufnahme
Esaie Djomo und Albert Gouaffo (Dschang, Saarbrücken)

In den 90er Jahren erlebt die bisher einzige kamerunische Universität große Krisen: Arbeitslosigkeit der Hochschulabsolventen, infrastrukturelle Probleme und vor allem zu hohe Studierendenzahlen. Um diesen Problemen zu begegnen initiierte der Staat eine Hochschulreform und gründete daraufhin fünf weitere Universitäten, von anderen die Universität Dschang. Das neue Motto lautet Professionalisierung. Der folgende Beitrag geht auf den Versuch der Universität Dschang ein, die Germanistik aus der Schiene der nationalen Philologie herauszubringen. Er konzentriert sich besonders auf den bisher zurückgelegten Weg.

Mehr als 30 Jahre Deutschunterricht und Germanistikstudium in Mali. Ein Rück- und Ausblick
Mohamed Larabi Diallo (Bamako)

Seit der Gründung der Deutschabteilung an der Ecole Normale Supérieure de Bamako in den 70er Jahren des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist Deutsch ein Hochschulfach in Mali. In den Anfangsjahren galt es, Multiplikatoren auszubilden. Mit der Einrichtung einer Section allemand an der Universität Bamako Mitte der 90er Jahre jedoch sieht sich die Germanistik in Mali neuen Herausforderungen in Lehre und Forschung gegenüber, auf die der folgende Beitrag aufmerksam macht.

Langues étrangères et mondialisation
Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken) 

L'actuelle phase de la mondialisation qui constitue, historiquement, la troisième période des grandes découvertes et de l'expansion coloniale des XVe et XVIe siècles d'une part, et l'époque de l'industrialisation et de l'expansion impérialiste du XIXe et du début du XXe, d'autre part, invite les experts intervenant dans les philologies nationales et étrangères à relever des défis. La présente contribution passe en revue ces différents défis avant de présenter les réponses proposées par les universités allemandes, en l'occurrence les Universités de Bayreuth, de Munich et de la Sarre. Ces réponses se résument en quatre points : interdisciplinarité, étroite relation entre enseignement et recherche, professionnalisation, et interculturalité.

Ökonomische Globalisierung - kulturelle Verwahrlosung
Lutz Götze (Saarbrücken)

Die These lautet, dass der sich immer mehr beschleunigende Prozess der ökonomischen Globalisierung den Verfall vieler Kulturen nach sich zieht. Dies betrifft vor allem die Beseitigung der Aura der Einmaligkeit des Kunstwerks, die Veränderung des Wissensbegriffs, die Vernichtung der Sprachenvielfalt auf der Erde sowie die Dominanz des Seichten und des geistigen Mittelmaßes. Dem Beispiel der Verflachung des US-amerikanischen Kulturmanagements folgen immer mehr Gesellschaften und Individuen. Europa und weite Kreise in Afrika, Asien und Lateinamerika dagegen auftreten.