Band 1
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Ausgabe 1
 
 
Vorwort

Seit den 60er Jahren wird im frankophonen Afrika Deutschunterricht erteilt. Dieses Fach ist im Kontext der europäisch-afrikanischen Kontakte nach Afrika importiert worden. In den 70er Jahren wird Deutsch an jungen afrikanischen Universitäten studiert. Versuche lassen sich in den 80er Jahren verzeichnen, die den Sinn und Stellenwert dieser Nationaldisziplin in einem Raum wie Afrika ohne "Nation" im europäischen Sinne hinterfragen. Von den einzelnen Positionen her lässt sich eine gemeinsame Orientierung feststellen: Die Wissenschaft des Deutschen, sei sie Germanistik oder Deutsch als Fremdsprache genannt, soll, wie jede Wissenschaft, einen Praxisbezug haben. Bisher hat sich die afrikanische Germanistik vorwiegend in der Ausbildung von Multiplikatoren ausgezeichnet. Der Bedarf an Multiplikatoren scheint inzwischen weit gehend gedeckt zu sein. Diese Disziplin steht heute im Kontext der Globalisierung, die durch die Abwesenheit Afrikas in den internationalen Diskussionsforen und Entscheidungsgremien gekennzeichnet ist. In diesem Sinne steht Afrika vor titanischen Herausforderungen, die angenommen werden müssen. Folglich drängt sich die Frage auf, was die Germanistik als wissenschaftliche Disziplin in diesem Umbruchprozess leisten kann. An dieser Stelle können nur einige Anregungen festgehalten werden, die sich unseres Erachtens aus der Vorstellung einer zukunftsträchtigen Germanistik herauskristallisieren:
  1. Die afrikanische Germanistik muss noch stärker als vorher ihre Position in der Forschung artikulieren. Wissenschaft heißt auch Standpunkt beziehen und ihn vertreten.

  2. Die afrikanische Germanistik soll durch postkoloniale Antworten ihre avantgardistische Rolle in Fragen der multikulturellen Forschungen betonen und ins rechte Licht setzen, wie es die Diaspora in den 30er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits versucht hat.

  3. Das Entwicklungs-Können der Deutschstudien als Wissenschaft in Afrika soll nicht nur behauptet, wie es bisher getan wurde, sondern durch praxisbezogene Curricula und empirisch durchgeführte Evaluierung nachgewiesen werden.
Die unter vielen schwierigen Rahmenbedingungen erzielten Ergebnisse sind den Afrikanern häufig schwer zugänglich, denn sie erscheinen hauptsächlich in außerafrikanischen Fachzeitschriften. Bei der Gründung unserer interdisziplinären Forschungsgruppe "Etudes germano-africaines" haben wir daher gleichzeitig auch das Problem der Diffusion unserer Forschungsergebnisse lösen wollen und haben Mont Cameroun, Afrikanische Zeitschrift zum deutschsprachigen Raum gegründet. Die Zeitschrift fungiert als wissenschaftliches Diskussionsforum, das von Afrika aus, gemeinsam mit anderen Zeitschriften vor Ort, globalisierungsbezogene Standpunkte der Wissenschaftsgemeinschaft formuliert und diskutiert. Dies geschieht mit Hilfe von Kooperationspartnern in Europa, die auf ehrenamtlicher Basis dieses Projekt fördern.

Das Thema dieses ersten Bands lautet: Perspektiven afrikanischer Germanistik: Bilanz und Herausforderungen.

Der Band enthält acht Beiträge zur Frage der Germanistik als Fremdsprachenphilologie im Zeitalter der Globalisierung: Sechs Beiträge widmen sich dem Wissenschaftsbetrieb von Germanistik in Forschung und Lehre an afrikanischen frankophonen Hochschulen. Die zwei anderen beschäftigen sich zwar nicht direkt mit der Thematik des Bandes, zeigen aber wie global der Druck auf National- wie Fremdsprachenphilologien aussehen könnte und welche Gegenmaßnahmen schon getroffen wurden oder noch zu treffen sind.

Der Beitrag von Salifou Traoré geht auf die Konstituierungsphasen der Germanistik im frankophonen Afrika südlich der Sahara ein und zeigt, den bisher zurückgelegten Weg, einen Tatbestand, der von der Forschung in Europa kaum wahrgenommen wird. Esaie Djomo verfährt genauso historisch und zeigt, wie die Adaptation von Lehrwerken an die Bedürfnisse der Lernenden in Afrika prozessartig zu verlaufen hat. Die afrikanischen Germanisten sehen ihre Tätigkeit in ihren jeweiligen Ländern auch kritisch und entwerfen und erproben Modelle in ihren jeweiligen Fächern. Albert Gouaffo sieht ein interkulturelles Training durch Literatur als zukunftsträchtig, während sein Kollege Bernard Mulo Farenkia aus einer linguistischen Perspektive dasselbe unternimmt. Esaie Djomo und Albert Gouaffo zeigen am Beispiel der Deutschabteilung der Universität Dschang in Westkamerun, dass es Versuche in Afrika gibt, die Germanistik als Teil von Europa-Wissenschaften zu begreifen. Das Motto heißt Polylingualität und Suche nach Schnittstellen zwischen Sprachen und sprachbezogenen Berufen. Mohamed Larabi Diallo berichtet in seinem Beitrag über die Praxis des Deutschunterrichtes und des Germanistikstudiums in Mali. Dieser informationsreiche Beitrag reflektiert die relativ schwache infrastrukturelle Lage des Faches in Afrika. Der Beitrag von Hans-Jürgen Lüsebrink stellt die nationalen Philologien im globalen Kontext dar und zeigt die Chancen, die die neue Konstellation bietet. Globalisierung heißt auch kulturelle Verwahrlosung und Verflachung. Das ist eine Gefahr, auf die Lutz Götze hinweist. Europa und weite Kreise in Afrika, Asien und Lateinamerika müssten sich dagegen stellen.

Albert Gouaffo und Salifou Traoré
September 2004


 
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  Abstracts
Ausgabe 1
 
 

 
Wege zur afrikanischen Germanistik. Zeit einer Zwischenbilanz
Salifou Traoré (Bamako/Bangkok)

Der Beitrag versucht zunächst Konstituierungsphasen der Germanistik in den französischsprachigen Ländern Afrikas südlich der Sahara, und zwar in Benin, Burkina Faso, Cameroun, Côte d'Ivoire, Madagascar, Mali, Senegal und Togo herauszuarbeiten. Anschließend wird dann die afrikanische Germanistik in Lehre und Forschung beleuchtet. Dies ist insofern wichtig, als die Lehre und Forschung an afrikanischen Germanistikabteilungen kaum wahrgenommen wird; auch in der 702 Seiten umfangreichen Dissertation von Böhm (2003) zum Deutsch in Afrika fand dieser Aspekt keine Beachtung.

De la délocalisation au training à la vie interculturelle: quelques remarques sur les manuels d'Allemand dans le cycle secondaire au Cameroun de 1960 à nos jours
Esaie Djomo (Dschang)

Réintroduit au programme après le mandat français, l'enseignement de l'allemand se fait sur la base de certains paradigmes éducatifs qu'on retrouve à partir des manuels utilisés : De 1960 à 1975, c'est la délocalisation de l'apprenant africain, car les manuels français lui présentent les problèmes d'un univers qui lui est totalement inconnu. La première tentative de correction de cette bévue a lieu avec Yao lernt Deutsch qui, de 1975 à 1990, remplace les précédents. Ce support didactique opte résolument pour l'africanisation, mais conçu unilatéralement par des Allemands, il présente des insuffisances que son remplaçant depuis 1990, Ihr und Wir, ouvre d'un collectif d'auteurs majoritairement africains, corrigera à son tour tout en conservant ses acquis. Son paradigme éducatif déclaré est l'entraînement de l'élève à la vie interculturelle.

Interkulturelles Training als Lernziel. Ein literaturwissenschaftliches Modell aus der Praxis in Dschang
Albert Gouaffo (Dschang, Saarbrücken)


Das Konzept des interkulturellen Trainings umfasst Domänen wie Wirtschaftskommunikation, Kinder- und Jugendarbeit, Migranten- sowie Dritte-Welt-Pädagogik. Der vorliegende Beitrag diskutiert die verschiedenen Aspekte dieses Konzeptes und versucht, die Praxis des interkulturellen Trainings im Landeskunde- und Literaturunterricht in Kamerun zu legitimieren. Dies geschieht mit Hilfe der oft abschätzig betrachteten kolonialen Reiseliteratur, eine Gattung par excellence, in der Begegnungssituationen zwischen einer beobachtenden europäischen Kultur und einer beobachteten afrikanischen Kultur metaphorisch inszeniert werden.

Tendenzen im deutsch-kamerunischen Sprachvergleich: Bilanz und Perspektiven
Bernard Mulo Farenkia (Yaoundé / Saarbrücken)

Der Verfasser nimmt den heutigen Stand des deutsch-kamerunischen Sprachvergleichs unter die Lupe, konstatiert ein verbreitetes Unbehagen sowohl auf der Ebene der Themen bzw. Inhalte als auch auf der der methodischen Vorgehensweisen der vorliegenden Untersuchungen. Im Anschluss daran versucht er, einige Desiderata zu erwähnen und einige zukunftsträchtigere Ansätze zu skizzieren. Besonders betont wird das Plädoyer für eine Abkehr von der Auseinandersetzung mit rein semasiologisch orientierten Themen, für eine Abkehr von vorwiegend interlingual fundierten Arbeiten, und für eine Hinwendung zu onomasiologisch, pragmatisch und vor allem interkulturell geprägten Analysen, die nicht nur sprachdidaktischen Zwecken dienen, sondern auch das Bett für Diskussionen über die Rolle von Sprache in einer multikulturellen Gesellschaft wie Kamerun und in der (deutsch-kamerunischen) interkulturellen Kommunikation bereiten.

Zehn Jahre Deutschstudium an der Universität Dschang: eine Bestandsaufnahme
Esaie Djomo und Albert Gouaffo (Dschang, Saarbrücken)

In den 90er Jahren erlebt die bisher einzige kamerunische Universität große Krisen: Arbeitslosigkeit der Hochschulabsolventen, infrastrukturelle Probleme und vor allem zu hohe Studierendenzahlen. Um diesen Problemen zu begegnen initiierte der Staat eine Hochschulreform und gründete daraufhin fünf weitere Universitäten, von anderen die Universität Dschang. Das neue Motto lautet Professionalisierung. Der folgende Beitrag geht auf den Versuch der Universität Dschang ein, die Germanistik aus der Schiene der nationalen Philologie herauszubringen. Er konzentriert sich besonders auf den bisher zurückgelegten Weg.

Mehr als 30 Jahre Deutschunterricht und Germanistikstudium in Mali. Ein Rück- und Ausblick
Mohamed Larabi Diallo (Bamako)

Seit der Gründung der Deutschabteilung an der Ecole Normale Supérieure de Bamako in den 70er Jahren des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist Deutsch ein Hochschulfach in Mali. In den Anfangsjahren galt es, Multiplikatoren auszubilden. Mit der Einrichtung einer Section allemand an der Universität Bamako Mitte der 90er Jahre jedoch sieht sich die Germanistik in Mali neuen Herausforderungen in Lehre und Forschung gegenüber, auf die der folgende Beitrag aufmerksam macht.

Langues étrangères et mondialisation
Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken) 

L'actuelle phase de la mondialisation qui constitue, historiquement, la troisième période des grandes découvertes et de l'expansion coloniale des XVe et XVIe siècles d'une part, et l'époque de l'industrialisation et de l'expansion impérialiste du XIXe et du début du XXe, d'autre part, invite les experts intervenant dans les philologies nationales et étrangères à relever des défis. La présente contribution passe en revue ces différents défis avant de présenter les réponses proposées par les universités allemandes, en l'occurrence les Universités de Bayreuth, de Munich et de la Sarre. Ces réponses se résument en quatre points : interdisciplinarité, étroite relation entre enseignement et recherche, professionnalisation, et interculturalité.

Ökonomische Globalisierung - kulturelle Verwahrlosung
Lutz Götze (Saarbrücken)

Die These lautet, dass der sich immer mehr beschleunigende Prozess der ökonomischen Globalisierung den Verfall vieler Kulturen nach sich zieht. Dies betrifft vor allem die Beseitigung der Aura der Einmaligkeit des Kunstwerks, die Veränderung des Wissensbegriffs, die Vernichtung der Sprachenvielfalt auf der Erde sowie die Dominanz des Seichten und des geistigen Mittelmaßes. Dem Beispiel der Verflachung des US-amerikanischen Kulturmanagements folgen immer mehr Gesellschaften und Individuen. Europa und weite Kreise in Afrika, Asien und Lateinamerika dagegen auftreten.


 
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  Rezension
Ausgabe 1
 
 
Maghan Keita (Hg.). Conceptualising/ Re-conceptualising Africa. The construction of African historical identity (International studies in sociology and social Anthropology, Bd. 83),
Leiden, Boston, Köln: Brill, 2002, 128 S, ISBN 9004124209, 49 €

Albert Gouaffo (Dschang)
 
 

Das wissenschaftliche Bedürfnis der europäischen Moderne, die Welt nach geographischen Einheiten einzuteilen, um sie besser zu studieren, hat die Geschichtsschreibung dazu verleitet, totalitäre Diskurse über Völkerschaften zu produzieren, die heutzutage als selbstverständlich erscheinen.
Die Querbeziehungen zwischen den Völkern und Kontinenten, die wechselseitige Austauschprozesse zur Folge haben, werden praktisch ausgeblendet. Der Sammelband des Historikers Maghan Keita hinterfragt diese historischen Mythen hinsichtlich der afrikanischen Geschichtsschreibung. Afrika ist erfunden worden und eine differenzierte Neu-Lektüre seiner Geschichte kann nur im Netzwerk der Weltgeschichte (lokal und global) erfolgen. Die These ist kühn und das interdisziplinäre Team (Historiker, Soziologen, Kulturwissenschaftler, Anthropologen und Politologen) versucht, in sechs Beiträgen, diese Herausforderung anzunehmen. Der Ansatz bei allen Beiträgen ist interkulturell und alle Mitautoren zeigen in ihren jeweiligen Texten, wie Afrika als Legitimationsfaktor in der Weltgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart fungiert hat.

Der Beitrag des Historikers Lamont Dehaven King zum Verhältnis von Staat und Ethnien im vorkolonialen Nord-Nigeria dekonstruiert die vorherrschende Vorstellung von ethnisch homogenen Volksgruppen in Afrika. Am Beispiel des Staates Katsina im Nordnigeria zeigt er wie prozessartig von der Vorkolonialzeit bis zum 19 Jahrhundert die Haussa- und die Fulani-Hegemonie unter Einfluss islamischer Invasion interagiert hat, so dass eine hybride Kultur daraus entstanden hat. Der europäische Nationsbegriff als Existenz einer homogenen ethnischen Gemeinschaft, die durch eine gemeinsame Sprache, Kultur und Geschichte gekennzeichnet wird, verliert hier seine Tragfähigkeit. Der Soziologe Jesse Benjamin geht auf eine andere vernachlässigte Dimension der Weltgeschichtsschreibung ein: Die bi-direktionelle Interaktion. Er untersucht die Beziehungen zwischen Ostafrika und dem Nahost 500 Jahre vor Christi und stellt fest, dass das bisherige Wissen über diese beiden Kulturräume dekolonisiert werden muss:
“Historical questions regarding this region revolve around the opposed terms: ‚East Africa’ and ‚Middle East’. These are little more than anachronistic post eighteen-century Western designations that imply posit a pre-existing separation between these realms” (S. 32).

Mit kulturwissenschaftlichen Kategorien wie die des „Fremden“ bringt Jeremy Prestholdt mehr Licht in die afrikanische Geschichtsschreibung. Im Lichte von portugiesischen Reiseberichten über die Swahilis an der Küste Ostafrikas zeigt er wie ungeeignet die Kategorie des Fremden als radikale Trennlinie vom Eigenen ist, wie ideologisch die kulturellen Grenzen vom europäischen Betrachter gezogen werden. Da die portugiesischen Händler Swahili-Partner brauchten, haben sie in ihrer Wahrnehmung von den Swahilis eine Hierarchie gebildet: Die Swahilis der Küste werden als ihrer Kultur angehörend und die des Hinterlands als Primitive betrachtet. Das Fremde als wissenschaftliche Kategorie wird willkürlich. Deshalb plädiert Prestholdt für eine Differenzierung: „Through an interrogation of Portuguese perceptions of Swahili-Speakers, this paper shows that the totalizing concept of „Other“ as a unit for analysing European/non European social relationships does not fit certain historical circumstances. In the case of East African coast, degrees of familiarity and/or Otherness seem more appropriate analytical tools for reconstructing the history of European conceptual categories (S. 53-54)”.

Thomas Ricks analysiert die Praxis des Sklavenhandels und den Einsatz von Sklaven afrikanischer Herkunft in Iran vom Jahre 1500 bis zum Jahre 1800. Er öffnet somit ein vergessenes Kapitel der iranischen Geschichte. Mit Statistiken belegt er die Spuren der aus Zanzibar verschleppten afrikanischen Sklaven, die bis in Shi’i-Iran in der Landwirtschaft eingesetzt wurden; dies ungeachtet der internationalen Verbots des Sklavenhandels.
Die Kategorie des Fremden taucht wieder im Beitrag des Anthropologen Robert Launay auf. Er vergleicht die Wahrnehmung von Hottentotten am Kap der guten Hoffnung mit der von Asiaten in den Reiseberichten des 17. und 18. Jahrhunderts: „On the contrary, it is essential to pay attention to the ways in which representations of different kinds on non-European ‚Others’ both Asian and African, articulate with one another within these narratives in order to evaluate representations of South Africans in a broader light (S. 90).” Dieser Vergleich entblößt den europäischen Diskurs über den Anderen als einen Diskurs der Macht. Ob man mit Hottentotten in Afrika oder mit Asiaten zu tun hat, pendelt der europäische Diskurs zwischen Exotismus und Rassismus.

Der Sammelband endet mit dem politikwissenschaftlichen Beitrag von Richard J. Payne und Cassandra R. Veney. Der Beitrag zeigt, wie Taiwan in seinen konfliktuellen Beziehungen zu der Volksrepublik China auf diplomatischer Ebene afrikanische Länder für seine völkerrechtliche Anerkennung gekauft hat. Das Prinzip bestand darin, afrikanischen Ländern finanzielle Hilfe zu gewähren, die Taiwan als unabhängiger Staat anerkannten, eine Art Hallsteindoktrin aus taiwanesischer Perspektive.
Die verschiedenen Zugänge zur afrikanischen Geschichtsschreibung, die dieser Sammelband bietet, zeigen, dass die afrikanische Geschichte neu geschrieben werden soll. Afrika als vom Weltgeschehen gelöste Einheit ist ein Konstrukt der westlichen Welt. Interessant an dieser Arbeit ist die diachronische Perspektive: Afrikanische Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart.

Das Buch ist sehr gut aufgebaut, leserlich und mit einem Index versehen. Wahrscheinlich ist dies der Grund, warum der Verlag Brill es in seiner Reihe „international studies in soziology and social anthropology“ angenommen hat. Dennoch ist der Titel irreführend. Der Leser versteht schlecht den Schrägstrich im Titel (Conceptualising/ Re-Conceptualising Africa). Es ist nicht klar, ob es um eine Entweder-oder-Relation oder um eine chronologische Beziehung zwischen den beiden Begriffen handelt. Darüber hinaus erwartet der Leser von einem solchen pompösen Titel eine umfangreiche theoretische Auseinandersetzung über die Geschichte dieses Kontinentes. Er muss sich leider mit sechs Beiträgen begnügen, die in 102 Seiten die Geschichte Afrikas auf Ostafrika konzentrieren. Der Herausgeber dieses Sammelbandes ist sich dieser Schwäche des Buches bewusst, deshalb formuliert er in der Einführung vorsichtig seinen Appell an den Leser: „These essays address this issues in term of the ways in which Africa has been conceptualized, and, therefore, might be re-conceptualisezed“ (S. 1). Die Stärke dieses Sammelbandes liegt in der Dekonstruktion von Totalitäten und in der These, dass in der Geschichtsschreibung Afrikas wechselseitige Beziehungen lokal und global einbezogen werden müssen.


 
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  Zu den Autoren
Ausgabe 1
 
 
 
Mohamed Larabi Diallo, Dr. phil., Jahrgang 1954. Studium der Germanistik und Afrikanistik in Bamako und Bayreuth. Promotion 1989. Langjährige Tätigkeit bei der Direction Nationale l'Enseignement Secondaire Général Technique et Professionnel (Mali) und als Lektor für Bamanankan in Bayreuth; seit 1994 Dozent für Germanistik und Afrikanistik an der Université de Bamako. Arbeits- und Forschungsgebiete: Kontrastive Linguistik, Grammatik des Deutschen und Bamanankan, Wortbildung im Deutschen und Bamanankan, Verbalstruktur und morphosyntaktische Aspekte des Nominalkompositums im Bamanankan.

Esaïe Djomo, Dr. phil., Jahrgang 1959. Studium der Germanistik, Afrikanischen Literatur und Komparatistik in Yaoundé und Saarbrücken. Promotion 1992 in Saarbrücken; zurzeit Dozent für Deutsche Literaturwissenschaft und deutsche Landeskunde an der Universität Dschang, Cameroun. Forschungsgebiete: Deutsche Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere deutsche Kolonialliteratur (deutsche Koloniallyrik, deutschsprachige Afrika-Dramen). e-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. Lutz Götze, Prof. Dr. phil., Jahrgang 1943. Inhaber des Lehrstuhls für Deutsch als Fremdsprache an der Universität des Saarlandes. Arbeits- und Forschungsgebiete: Deutsch als Fremdsprache, Zweitsprachenerwerb, und Hirnforschung, Rechtsschreibung der deutschen Sprache.


Albert Gouaffo, Dr. phil., Jahrgang 1965. Studium der deutschen Literatur und Sprache, Wirtschaftwissenschaften sowie Interkulturelle Kommunikation (Schwerpunkt Deutschland/ Afrika) an der Universität Yaoundé in Kamerun und der Universität des Saarlandes in Deutschland. Promotion 1998 in Saarbrücken. Zurzeit Dozent für deutsche Literatur und Landeskunde am Département de Langues Etrangères Appliquées (LEA) der Philosophischen Fakultät der Universität Dschang in Westkamerun. Arbeits- und Forschungsgebiete: Deutsche Geschichte und Literatur des Kaiserreichs und der Nachkriegszeit, Interkulturelle Landeskunde- und Literaturvermittlung. Wissens- und Kulturtransfer Afrika-Deutschland im kolonialen Kontext.


Hans-Jürgen Lüsebrink, Prof. Dr. phil., Jahrgang 1952, Romanist und Historiker; Inhaber des Lehrstuhls für Romanische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation an der Universität des Saarlandes. Forschungsgebiete: Literatur-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte Frankreichs und der frankophonen Länder außerhalb Europas; Kulturtheorie, interkulturelle Beziehungen und Transferprozesse.


Bernard Mulo Farenkia, Dr. phil. (geboren 1969 in Kamerun) ist Dozent für Deutsche Sprache, Allgemeine und Germanistische Linguistik an der Universität Yaoundé I / Kamerun. Zurzeit ist er Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Universität des Saarlandes / Saarbrücken (August 2003 - Juli 2005). Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. kontrastive bzw. interkulturelle Pragmatik, linguistische Gesprächsanalyse, verbale Höflichkeit, kommunikativ-funktionale Grammatik, kulturkontrastive Grammatik, deutsche Wortbildung.


Salifou Traoré, Dr. phil, Jahrgang 1965. Studium der Germanistik, Psychologie, Übersetzungswissenschaft sowie Wirtschaftswissenschaften in Bamako und Saarbrücken. Promotion 2000; zurzeit 2000 Dozent für Neuere Deutsche Sprachwissenschaft an der Ramkhamhaeng University Bangkok. Arbeits- und Forschungsgebiete: Deutsche Gegenwartssprache, Grammatik und Kultur, Zwei- und Mehrsprachigkeit, kognitive und neurophysiologische Grundlagen des Spracherwerbs.



 
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  Inhaltsverzeichnis
Ausgabe 1
 
 

Vorwort5
Thematischer Teil9
Wege zur afrikanischen Germanistik. Zeit einer Zwischenbilanz
Salifou Traoré (Bamako/Bangkok)
11
De la délocalisation au training à la vie interculturelle: quelques remarques sur les manuels
d'allemand dans le cycle secondaire au Cameroun de 1960 à nos jours
Esaie Djomo (Dschang)
29
Interkulturelles Training als Lernziel.
Ein literaturwissenschaftliches Modell aus der Praxis in Dschang
Albert Gouaffo (Universität Dschang, Saarbrücken)
47
Tendenzen im deutsch-kamerunischen Sprachvergleich: Bilanz und Perspektiven
Bernard Mulo Farenkia (Yaoundé / Saarbrücken)
67
Zehn Jahre Deutschstudium an der Universität Dschang: Eine Bestandsaufnahme
Esaie Djomo und Albert Gouaffo (Dschang)
89
Mehr als 30 Jahre Deutschunterricht und Germanistikstudium in Mali. Ein Rück- und Ausblick
Mohamed Larabi Diallo (Bamako)
101
Allgemeiner Teil117
Langues étrangères et mondialisation
Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken)
119
Ökonomische Globalisierung - kulturelle Verwahrlosung
Lutz Götze (Saarbrücken)
139
Rezension155
Abstracts161
Zu den Autoren 165
Vorankündigungen167