Band 3
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Ausgabe 3
 
 

Vorwort

Der afrikanische Kontinent weist bekanntlich eine bemerkenswerte Vielfalt an Sprachen auf, die sich in drei Gruppen teilen lassen, und zwar in die einheimischen Sprachen, die mit Abstand die Mehrheit bilden, die Sprachen der ehemaligen Kolonialmächte (z. B. Englisch, Französisch und Portugiesisch) und diejenigen Sprachen, deren Vorhandensein bildungspolitisch motiviert ist. Dabei geht es je nach dem Land außer um die Sprachen der ehemaligen Kolonialmächte um Deutsch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch, Japanisch usw. Alle diese Sprachen haben einen gewissen Einfluss auf die kommunikativen Gewohnheiten bzw. Verhaltensweisen der Menschen, die mit ihnen in Berührung sind bzw. kommen. Die Analyse dieser Sprachkontaktsituationen ist nicht nur für die aktuelle Sprachforschung und einen zeitgemäßen Sprachenunterricht notwendig, sondern auch für sprachpolitische Entscheidungen in den Einzelländern Afrikas. Dies ist insofern wichtig, als die Zukunft der meisten Länder dieses Kontinents in der Mehrsprachigkeit liegt.

Im Fokus des vorliegenden Bands 3 von Mont Cameroun steht Deutsch am Kreuzpunkt der Mehrsprachigkeit in Afrika. Diese Fragestellung soll nicht nur systemlinguistisch, sondern auch diskurstheoretisch angegangen werden. Der den Band eröffnende Beitrag von Mohamed L. Diallo geht auf die Problematik des Passivs im Deutschen und Bamanankan ein. Über formale Aspekte hinaus beschäftigt sich der Verfasser auch mit kommunikativen Funktionen der Passivstruktur in den beiden Sprachen. Hier zeigt sich, dass die Vergleichssprachen nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten aufweisen, die darin bestehen, dass in den beiden Sprachen Passivformen benutzt werden, wenn der Handelnde unbekannt oder nicht wichtig ist bzw. verschwiegen werden soll. Mireille M. Meyanga befasst sich in ihrem Beitrag mit dem Phänomen des Code-Switching im Interaktionsprozess zwischen kamerunischen Studierenden in Deutschland. Zunächst wird die Mehrsprachigkeit im kamerunischen Kontext erläutert, dann die Rolle des Deutschen in dem zentralafrikanischen Land dargestellt. Anschließend werden anhand von Beispielen Form und Funktion des Code-Switching im Kommunikationsprozess zwischen kamerunischen Studierenden in Deutschland analysiert.

Der Beitrag von Jean-Claude Bationo plädiert dafür, die burkinischen Sprachen in den Lernprozess des Deutschen als Fremdsprache in Burkina Faso einzubetten. Dies erweist sich für ihn als eine selbstverständliche Voraussetzung, um das Deutschlernen in dem westafrikanischen Land interkulturell zu gestalten. Georges C. Massock basiert auf dem diskursanalytischen Ansatz des französischen Soziologen und Diskurstheoretikers Pierre F. Bourdieu, um den Zusammenhang von Diskurs und Macht bzw. Herrschaft herauszuarbeiten. Dies wird u. a. am Beispiel der Sprachen der Kolonialmächte in Afrika veranschaulicht. Auf der Grundlage von Reiseberichten der Kolonial- und Postkolonialzeit widmet sich Sylvie Nantcha der Fremdwahrnehmung des mehrsprachigen kamerunischen Fremdkulturraums.

Die dazu ausgewählten Texte werden soziolinguistisch, sozialpsychologisch und sprachkontaktlinguistisch analysiert, um herauszufinden, inwieweit die darin benutzten fremdsprachlichen Ausdrücke die literarische Verarbeitung der Fremdwahrnehmung des Fremden widerspiegelt. Helga Abret setzt sich mit der deutschen Kolonialliteratur am Beispiel Frieda von Bülows Kolonialroman Tropenkoller (1896) auseinander. In diesem Roman kritisiert Frieda von Bülow das wenig vorbildhafte Verhalten der Kolonisatoren und plädiert dafür, dass sich die Europäer an die fremde Kultur in den Kolonien anpassen.
Dass solche humanen Spiegelregeln mit dem Kolonialismus nicht realisierbar waren, musste von Bülow später zu ihrer Enttäuschung feststellen. Der Beitrag von Gisela Thome untersucht aus der Perspektive von Übersetzungswissenschaft, Kontrastlinguistik und Semiotik den sprach- und kulturübergreifenden Umgang mit Sprache-Bild-Kombinationen. Nach der Klärung der zentralen Termini multimodaler Text, Interlingualität und Interkulturalität diskutiert die Autorin Möglichkeiten der Erfassung der textologisch, translatologisch und kulturell gleichermaßen relevanten Konvergenzen und Divergenzen multimodaler deutsch- und englischsprachiger Presseartikel naturwissenschaftlichen Inhalts anhand der systematischen Gegenüberstellung zweier einschlägiger Korpora.

Salifou Traoré
Februar 2007


 
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  Abstracts
Ausgabe 3
 
 

 

Form und Funktion des Passivs im Deutschen und Bamanankan
Mohamed Larabi Diallo (Bamako)

Der Beitrag widmet sich einer Gegenüberstellung des Passivs im Deutschen und Bamanankan. Zuerst werden die Passivstrukturen in den Vergleichssprachen dargestellt., sodann ihre Funktion in der Alltagskommunikation ermittelt. In dieser Hinsicht zeigt sich, die die beiden Sprachen das Passiv benutzen, wenn der Handelnde unbekannt oder nicht wichtig ist bzw. verschwiegen werden soll.

«Toi aussi tu vas à la Mensa?». Code-Switching in der mündlichen Interaktion zwischen kamerunischen Studierenden in Deutschland
Mireille Mayam Meyanga (Bielefeld)

Für den Außenstehenden ähneln Gespräche unter kamerunischen Studierenden in Deutschland oft einer willkürlichen Mischung aus Satzbrocken in verschiedenen Sprachen. "Was für eine Sprache sprecht ihr eigentlich?" lautet dann häufig die Frage von Kommilitonen oder Freunden aus anderen Herkunftsländern, die sich auch darüber freuen, "zumindest einen Teil der Unterhaltung verstanden zu haben".
Das Forschungsinteresse im folgenden Aufsatz richtet sich auf das Phänomen des Code-Switching in der verbalen Interaktion zwischen kamerunischen Studierenden. Die ersten, einleitenden Abschnitte thematisieren die Mehrsprachigkeit und die Rolle der deutschen Sprache im kamerunischen Kontext. Anschließend wird der Sprachkontakt erläutert, um dann konkret auf die Strukturen und Funktionen des Code-Switching eingehen zu können.

Der burkinische Deutschunterricht auf der Suche nach Identität
Jean-Claude Bationo (Ouagadougou)

Der Aufsatz ist ein Plädoyer für die Verwendung der Muttersprachen der burkinischen Deutschlernenden im Prozess des Deutschunterrichts. Mit 65 Volksgruppen ist Burkina Faso ein mehrsprachiges Land. Die burkinischen Deutschlernenden sind tatsächlich mehrsprachenfähig, und die heutigen Herausforderungen der Zweisprachigkeit sollten eine Chance für sie sein, ihre vielfältigen sprachlichen und kulturellen Kompetenzen zu entfalten. Dennoch bietet der Deutschunterricht keine Möglichkeit an, diese Sprachen in den Lernprozess zu integrieren. Daher bleibt die Frage offen: Welcher interkulturell orientierte Deutschunterricht wird in Burkina Faso angeboten, wenn die burkinischen Muttersprachen nicht mitberücksichtigt werden?

Der Diskurs als fait social und Mittel symbolischer Macht bzw. Herrschaft im sprachsoziologischen
bzw. -philosophischen Ansatz

Pierre Bourdieus Georges Claude Massock (Yaoundé/Göttingen)

Die systematische und gegenwartsbezogene Linguistik wird mit dem strukturellen bzw. funktionalen Ansatz des Genfer Sprachwissenschaftlers Ferdinand Mongin de Saussure (1857 - 1913) aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dadurch charakterisiert, dass sprachliche Einheiten und semiotische Referenzen im Hinblick auf kommunikative und verständigungsrelevante Effekte konstruiert werden. Doch unter Beachtung der sozialen Bedingungen der Produktion sowie Rezeption sprachlicher Äußerungen nahm Anfang der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Linguistik das Erkenntnisinteresse an der sprach- bzw. diskursförmigen Konstitution der Welt zu. Unter Bezugnahme auf den französischen (Sprach)Soziologen und Diskurstheoretiker Pierre Félix Bourdieu (1930 - 2002), für den, anders als für de Saussure, Diskurse als soziale Interaktionen in symbolischer Vermittlung handlungsleitend sind, die Illusion von Wirklichkeit schaffen sowie eine Kontrollfunktion besitzen, geht der Autor im vorliegenden Beitrag dem Zusammenhang von Diskurs und Macht bzw. Herrschaft nach.

Sprache und literarische Verarbeitung der Fremdwahrnehmung.
Das Beispiel der Kolonialliteratur zu Kamerun

Sylvie Nantcha (Freiburg i. Br.)

Das Leben in und zwischen verschiedenen Kulturen impliziert oft eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Sprachen und Fremdsprachen. Einige mehrsprachige Autoren nehmen in ihren literarischen Werken die Vielfalt der Sprachen und der Kulturen des Handlungsortes auf und setzen sie ins Verhältnis. Am Beispiel von zwei ausgewählten Reiseberichten der deutschen Kolonial- und Postkolonialzeit wird die dichterische Fremdwahrnehmung des mehrsprachigen kamerunischen Fremdkulturraums untersucht. Die soziolinguistische, sozialpsychologische und sprachkontaktlinguistische Analyse der Werke von Johannes Ittmann und Heinrich Norden zeigt, inwieweit das Zusammenspiel mehrerer Sprachen und die Fremdsprachenverwendung des Autors in einem literarischen Werk nicht nur die Funktion der Sprache in interkulturellen Sprechkontaktsituationen definiert, sondern auch, inwieweit sie die literarische Verarbeitung der Fremdwahrnehmung des Fremden widerspiegelt. Die Sprache kann je nach literarischer Fremdensprachenverwendung Kommunikationsmittel, kulturelle Identität oder Ursache und Wirkung einer interkulturellen Kultur bzw. Gesellschaft sein. Diese Fremdsprachenverwendung in literarischen Werken würde somit einen bestimmten historischen Kontext und ein kolonialistisches Denkmuster dokumentieren. Untersucht wird das Verhältnis zwischen der literarischen Verarbeitung der Mehrsprachigkeit und der Fremdwahrnehmung des Protagonisten im Sinne von abständiger Identifikation bzw. Teilidentifikation, im Sinne einer subtilen Verkapselung und Enigmatisation der Fremdkultur oder von admirativer Identifikation mit der Fremdkultur und letztendlich im Sinne von Fremdverständnis.

Zwischen Propaganda und Kritik.
Frieda von Bülows Kolonialroman Tropenkoller (1896)

Helga Abret-Brauner (Metz)

Frieda von Bülow (1857-1909) gilt als Begründerin der deutschen Kolonialliteratur belletristischer Prägung. Geweckt wurde ihr Interesse für die Kolonien durch den Ostafrika-Pionier Carl Peters, den sie 1885 kennenlernte und zu dem sie eine tiefe Neigung fasste. Um dessen Bemühungen zu unterstützen, begann sie ihre in Ostafrika gemachten empirischen Erfahrungen literarisch zu verarbeiten und veröffentlichte neben Reiseskizzen und Erzählungen auch drei Kolonialromane, die eine breitgestreute, zum großen Teil weibliche Leserschaft erreichten.
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit F. v. B.s Roman Tropenkoller (1896), der, wie alle ihre in den Kolonien spielenden Texte, in propagandistischer Intention geschrieben wurde, doch weicht das Afrikaverständnis dieser Schriftstellerin von den um 1890 verbreiteten Klischees ab. F. v. B. stellt das wenig vorbildhafte Verhalten der Kolonisatoren kritisch dar, plädiert für eine stärkere Anpassung der Europäer an die fremde Kultur und prangert das jede Initiative hemmende Anwachsen der Berliner Bürokratie an. Nach 1899 hat die Autorin konsequent auf die literarische Propagierung der kolonialen Idee verzichtet, wobei persönliche Enttäuschungen und die Einsicht, dass ein die humanen Spielregeln akzeptierender Kolonialismus nicht realisierbar ist, bei dieser Entscheidung den Ausschlag gaben.

Sprache-Bild-Verbindungen im interlingualen und interkulturellen Vergleich.
Teil 1: Definitorische, theoretische und methodische Grundlegung

Gisela Thome (Saarbrücken)

Das hier vorgelegte erste Drittel eines auf zwei Teile angelegten Beitrags versteht sich als theoretische Basis der im nächsten Heft von Mont Cameroun folgenden anwendungsbezogenen Ausführungen zum sprachlichen und kulturellen Vergleich deutscher und englischer Sprache-Bild-Kombinationen, wie sie besonders häufig in fachjournalistischem Textmaterial mit naturwissenschaftlicher Thematik auftreten. Nach der semantischen Festlegung der zentralen Termini multimodaler Text, Interlingualität und Interkulturalität wendet sich die Untersuchung der Frage zu, ob und inwieweit die mit Sprach- und Kulturkontakten befasste Übersetzungswissenschaft oder die vor allem methodisch recht gefestigte Kontrastive Textologie bzw. die auch gesellschaftliche Konventionen und damit explizit auch den kulturellen Aspekt berücksichtigende Zeichentheorie bei der zur Erfassung der Konvergenzen und Divergenzen multimodaler Presseartikel aus den beiden genannten Sprachen durchzuführenden systematischen Gegenüberstellung zweier einschlägiger Korpora Hilfe bieten können. Ergebnis der kritischen Musterung des Forschungsstandes ist ein kombiniert kontrasttextologisch-semiotischer Ansatz, auf dessen Grundlage der für die applikativ ausgerichtete Fortsetzung der Untersuchung geplante interlinguakulturelle Textsubsortenvergleich unternommen werden wird.



 
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  Rezension
Ausgabe 3
 
 

János Riesz:
Léopold Sédar Senghor und der afrikanische Aufbruch im 20. Jahrhundert, Wuppertal:
Peter Hammer Verlag GmbH, 2006, 348 p., € 24,90.
 
 

Ce n'est pas un hasard que l'année 2006 ait été considérée comme l'année Senghor et que János Riesz ait choisi cette année pour publier son livre. Cette année ne représente pas seulement le centenaire de la naissance de Senghor. Les différentes manifestations organisées (expositions, Colloques, hommages dans les journaux et revues scientifiques de par le monde) témoignent de l'importance du poète, de l'homme d'Etat et du philosophe des cultures.
Senghor est célébré sur le plan politique comme celui qui a assuré le multipartisme au Sénégal et par ce fait même lutté pour la stabilité politique du pays. Les défenseurs de la francophonie le fête comme l'homme qui s'est battu pour que vive la langue française en Afrique et par ce fait même a entretenu le lien culturel non seulement entre la France et ses anciennes colonies, mais aussi entre l'Afrique et l'Europe. Une autre opinion consacre Senghor pour sa mise en valeur des valeurs culturelles africaines à travers le mouvement de la négritude. Senghor est aussi considéré, par une opinion qui ne lui est pas très favorable, comme agent du néocolonialisme pratiqué par la France et même par l'occident tout entier. Comme produit du colonialisme français, il oeuvrerait à la sauvegarde des intérêts français.

Le livre de János Riesz veut sortir des sentiers battus en présentant toute un autre visage de Senghor : comme catalyseur d'un éveil de conscience et donc d'un nouveau départ en Afrique au 20e siècle. Cette Lecture témoigne aussi d'un parti pris et l'auteur justifie sa position. En quoi un pauvre enseignant de lycée, qui n'a rien de révolutionnaire par rapport à ses contemporains peut-il représenter un éveil de la conscience africaine au 20e siècle? János Riesz justifie sa démarche par certaines données biographiques sur Senghor et particulièrement celles de la période située entre 1910 et 1960 : son origine, son éducation scolaire et universitaire, certaines circonstances favorables, les événements historiques. La trajectoire biographique de Senghor pendant cette période peut être considérée comme point de cristallisation de nombreuses tendances émancipatrices de l'Afrique auxquelles Senghor a su donner une touche poétique particulière.

L'ouvrage divisé en quatorze chapitres structurés chronologiquement - de la création de la colonie Sénégal à la naissance de la francophonie en passant par la création de l'Etat du Sénégal par Senghor comme premier président - est un premier témoignage et également une consécration du genre de la plume d'un romaniste allemand qui a connu Senghor de près. L'auteur d'ailleurs fait à ce sujet une large démonstration par la photo commune à la quatrième de couverture de son ouvrage.
Le premier chapitre intitulé «Sénégal, la plus vielle colonie française d'Afrique et champ d'expérimentation d'un futur Etat démocratique» traite de la dimension coloniale de l'espace où est né Léopold Sédar Senghor le 9 octobre 1906. C'est un espace sur lequel habitent deux types de citoyens. D'un côté les évolués et de l'autre des indigènes ou sujets coloniaux. Ce chapitre insiste sur les biographies des évolués africains et leur rôle d'avant-garde dans la prise de paroles des Africains dans l'espace public colonial. Le parcours du député Blaise Diagne, figure d'identification pour Senghor mérite d'être mentionné.

Le second chapitre porte sur les agitations politiques au Sénégal colonial et l'éveil de conscience qui s'en est suivi. Les sénégalais noirs revendiquent l'égalité de droit et de traitement entre les travailleurs noirs et français de souche. Les écrivains publics sénégalais jouent un rôle de premier plan dans ces mouvements d'émancipation de la population dite indigène.
Le troisième et le quatrième Chapitre traitent de la Première Guerre Mondiale et de ses conséquences pour l'Afrique de l'Ouest et la France impériale. Cette guerre aura été une occasion en or pour les habitants des quatre communes sénégalaises, à savoir Saint-Louis, Rufisque, Dakar et Gorée, leur permettant de revendiquer le droit au service militaire qui constituait jusqu'à présent la chasse gardée des français présents dans la colonie. Blaise Diagne joua un rôle politique déterminant dans cette lutte des Sénégalais de souche pour le respect de leurs droits comme citoyens français à part entière. Le 19 octobre 1915, la France publia, sous contrainte, une loi qui donnait aux Sénégalais des quatre communes la citoyenneté française, ceci au grand désarroi de l'administration coloniale au Sénégal. La France avait besoin des soldats pour la guerre et c'est dans cette optique que la «force noire» composée de 56.000 hommes embarque en avril 1918 pour la défense de la mère patrie française.

La France d'après la Première Guerre mondiale est une France au sommet de sa fierté impériale. Elle ne cesse de narguer son voisin immédiat, l'Allemagne, en ventant les prouesses de ses tirailleurs. Jusqu'à l'organisation des grandes expositions coloniales de 1931 au parc de Vincennes, expositions qui donnent à la France l'occasion de fêter à nouveau sa grandeur impériale, la France ne se rend pas compte des fissures qui se créent à l'intérieur de son édifice colonial. Les 200000 tirailleurs sénégalais ayant pris part active à la guerre vont se rendre davantage compte de la supercherie du discours français sur l'égalité entre les citoyens. La France ne respecte pas ses engagements vis-à-vis des soldats africains. Elle continue à les considérer comme des citoyens de seconde classe. Autant la France défend à l'extérieur ses soldats noirs contre les attaques xénophobes des Allemands, autant cette France fait du racisme antinoir le credo de sa doctrine coloniale. Ceux des tirailleurs sénégalais qui restent en France, même illégalement, participent avec d'autres noirs de la diaspora à la lutte pour la reconnaissance de la place des noirs dans la France impériale. La négritude qui germe déjà avec la publication du Roman «Batouala» (1921) du Guyanais Réné Maran n'est plus à étouffer Senghor.

Le cinquième, le sixième, le septième et le huitième chapitre se concentrent sur la vie de Senghor, ses études scolaires chez les missionnaires au Sénégal, ses études universitaires en France, ses contacts multiples, ainsi que la co-fondation du mouvement de la négritude dans les années 30. János Riesz constate à la lumière de la vie scolaire de Senghor que l'école coloniale n'avait aucunement pour objectif d'émanciper le colonisé, mais elle cherchait plutôt à le dépersonnaliser en lui inculquant le complexe d'infériorité (p.115). Senghor fut un élève exceptionnel, parfois frondeur mais méthodique et discipliné. János Riesz démontre dans ces chapitres les plus captivant de son ouvrage que ce qui est appelé «Négritude» dans les années 30 du 20e siècle et que l'on retrouve dans nombreux conférences et essais de Senghor est le fruit qu'un processus qui tire sa source dans les contacts de Senghor avec les auteurs noirs américains. Il a lu des auteurs comme Dubois, des auteurs de la Jamaïque tels que Claude Mackay. Senghor se démarque toutefois des autres co-fondateurs de la négritude comme Léon Gontran Damas, aimé en ceci que sa critique contre le colonialisme, il est plus réticent. Senghor puise ensuite dans ses sources allemandes: sa lecture des travaux de l'ethnologue Leo Frobenius, de Goethe entre autres. L'attaque de l'Ethiopie, le 2 octobre 1945 par Mussolini attise sa furie et le pousse à donner une touche particulièrement engagée à sa poésie (cf. «A l'appel de la rêne de Saba» p. 182).

Du neuvième au quatorzième et dernier chapitre, János Riesz se concentre sur le Senghor homme politique, celui-là qui se distancie de la négritude comme philosophie tout en gardant l'utopie de la civilisation de l'universel. Senghor est présenté dans cette partie de l'ouvrage dans son rapport à l'Allemagne d'après guerre et particulièrement dans sa relation avec son traducteur Janheinz Jahn. Il est ensuite présenté dans ses contacts franco-africains et surtout par rapport à la francophonie comme institution à laquelle il a contribué à la création en 1970.

Nous avons affaire dans l'ensemble du livre à un ensemble de chapitres à la fois autonomes et liés: autonomes parce que chaque chapitre possède sa liste bibliographique et autres renvois complémentaires. On parlerait même d'une compilation d'articles ultérieurement publiés, mais l'auteur ne fait mention de cette affirmation nulle part dans son livre. Les différents articles forment un tout - malgré quelques répétitions ici et là - par ce qu'ils brossent l'histoire du Sénégal et même de l'Afrique occidentale française, dans une moindre mesure celle de l'Afrique équatoriale française, à partir de la biographie de Senghor, Poète, écrivain et homme d'Etat Sénégalais. L'ouvrage que présente János Riesz diffuse à un large public dans l'espace germanophone l'ouvre et la vie de Senghor, ouvre qui jusqu'à présent n'était réservée qu'à une poignée d'initiés maîtrisant la langue de Molière.

Le livre est d'un style simple. Le tableau chronologique permettant de suivre progressivement les grands moments de l'histoire du Sénégal de 1659 à la mort de Senghor, la bibliographie sélective de Senghor et les images d'archives utilisées à des fins d'illustration poussent le lecteur à conclure que l'ouvrage s'adresse aussi aux chercheurs. Il peut aussi être lu comme ouvrage de référence en langue allemande sur Senghor et l'Afrique francophone.
On doit cependant regretter l'absence d'une conclusion, d'une bibliographie générale à la fin de l'ouvrage. Il existe aussi de part et d'autre dans le livre des citations sans sources (p. 22, 95, 130), des affirmations sans sources (p. 72). Ces petites insuffisances ne réduisent en rien la qualité de l'ouvrage de János Riesz qui se démarque par sa la démarche historisante. Senghor se lie diachroniquement et synchroniquement comme un homme qui a bénéficié de plusieurs apports, apports que lui-même a souvent gommés par simples calculs politiques.



 
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  Zu den Autoren
Ausgabe 3
 
 
 
Jean-Claude Bationo, Jahrgang 1971. Studium der deutschen Literatur und Sprache sowie der afrikanischen Literatur der Gegenwart an der Universität Ouagadougou. Nach dem Studium der Sprachdidaktik und Pädagogik an der Ecole Normale Supérieure de Koudougou (ENSK) wurde Bationo Deutschlehrer am Gymnasium. Nach einem DEA (Diplôme d’Etudes Approfondies) an der Universität Metz in Frankreich ist er zur Zeit fast am Ende seiner Promotion an der Universität des Saarlandes über die Literaturvermittlung im Deutschunterricht in Burkina Faso. Zukünftige Forschungsgebiete: Fremdsprachen- und Literaturdidaktik, Interkulturelles Lernen, Lehrwerkanalyse, vergleichende Analyse der deutschen und afrikanischen Literatur der Gegenwart. Literarische Anthologie sowie literarische Übersetzungsdidaktik.

Helga Abret-Brauner, Prof. Dr. phil., geb. in Breslau/Wroclaw. Seit 1992 Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Metz, seit 2005 emeritiert. Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen über Verlagswesen und Publizistik im Wilhelminischen Deutschland, zur utopischen und phantstischen Literatur der Jahrhundertwende und zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts (Geord Drozdowski, Theodor Fontane, Hermann Hesse, Gustav Meyrink, Friedrich Torberg, Clara Viebig, Frank Wedekind).

Mohamed Larabi Diallo, Dr. phil., Jahrgang 1954. Studium der Germanistik und Afrikanistik in Bamako und Bayreuth. Promotion 1989. Langjährige Tätigkeit bei der Direction Nationale de l'Enseignement Secondaire Général Technique et Professionel (Mali) und als Lektor für Bamanankan in Bayreuth; seit 1994 Dozent für Germanistik und Afrikanistik an der Université de Bamako. Arbeits- und Forschungsgebiete: kontrastive Linguistik, Grammatik des Deutschen und Bamanankan, Wortbildung des Deutschen und Bamanankan.

Albert Gouaffo, Dr. phil, Jahrgang 1965. Studium der deutschen Literatur und Sprache, Wirtschaftwissenschaften sowie Interkulturelle 203 Kommunikation (Schwerpunkt Deutschland/ Afrika) an der Universi-tät Yaoundé in Kamerun und der Universität des Saarlandes in Deutschland. Promotion 1998 in Saarbrücken. Zurzeit Dozent für deutsche Literatur und Landeskunde am Département de Langues Etrangè-res Appliquées (LEA) der Philosophischen Fakultät der Universität Dschang in Westkamerun. Arbeits- und Forschungsgebiete: Deutsche Geschichte und Literatur des Kaiserreichs und der Nachkriegszeit, Interkulturelle Landeskunde- und Literaturvermittlung. Wissens- und Kulturtransfer Afrika-Deutschland im kolonialen Kontext.

Georges Claude Massock, M.A., Jahrgang 1971, Studium der Germanistik, Soziologie sowie Computerlinguistik an den Universitäten Yaoundé I, Heidelberg und Göttingen. Zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der École Normale Supérieure de Yaoundé (Kamerun), zur gleichen Zeit fast am Ende seines Promotionsverfahrens als germanistischer Sprachwissenschaftler am Lehrstuhl Prof. Dr. Dieter Cherubim (Seminar für Deutsche Philologie der Universität Göttingen) über die Rolle von Diskursformen in der Produktion sowie Reproduktion symbolischer Macht- bzw. Herrschaftsbeziehungen. Zukünftige Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Theoretische Linguistik/Computerlinguistik, Grammatik und Syntax des Deutschen, Semiotik, Soziolinguistik, Sprachphilosophie/Sprachgeschichte, Linguistische Pragmatik/Text- und Diskursanalyse.

Mireille Mayam Meyanga, M.A., Jahrgang 1974, studierte Germanistische Linguistik, Deutsche Literaturwissenschaft und Anglistik an der Technischen Universität Braunschweig. Forschungsinteressen: Sprachsysteme im Vergleich, Interkulturelle Kommunikation, Mediensprache. Sie promoviert zurzeit im Fach Linguistik an der Universität Bielefeld.

Sylvie Nantcha, M.A., Jahrgang 1974. Doktorandin im Deutschen Seminar der Universität Freiburg Forschungsgebiet: Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Interkulturelle Germanistik, Modelle der Fremdwahrnehmung, Afrika-Reiseliteratur, Interkulturelle Kommunikation. Tätigkeit: Forschung im Deutschen Seminar der Universität Freiburg (bei Prof. Willy Michel) - Landesgratuierte, Interkulturelle Trainerin Gründerin des Interkulturellen Deustch Afrikanischen Vereins (IDAV e.V. ) Mentorin afrikanischer Studenten Interkulturelle Vermittlerin

Gisela Thome, Dr. phil., Privatdozentin für Französische und Englische Übersetzungswissenschaft, nach über 20-jähriger Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte und anschließender fast zwölfjähriger Weiterbeschäftigung als Dozentin nunmehr Lehrbeauftragte an der Fachrichtung 4.6 Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen der Universität des Saarlandes, Saarbrücken. Forschungsschwerpunkte: Übersetzungsmethodik, Didaktik des Übersetzens, Didaktik des Deutschen als Fremdsprache, Fachsprache im deutsch-englisch-französischen Vergleich.

 
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  Inhaltsverzeichnis
Ausgabe 3
 
 

Vorwort5
Thematischer Teil 7
Form und Funktion des Passivs im Deutschen und Bamanankan
Mohamed Larabi Diallo (Bamako)
9
«Toi aussi tu vas à la Mensa?».
Code-Switching in der mündlichen Interaktion zwischen kamerunischen Studierenden in Deutschland
Mireille Mayam Meyanga (Bielefeld)
34
Der burkinische Deutschunterricht auf der Suche nach Identität
Jean-Claude Bationo (Ouagadougou)
51

Der Diskurs als fait social und Mittel symbolischer Macht bzw. Herrschaft im sprachsoziologischen
bzw. -philosophischen Ansatz Pierre Bourdieus
Georges Claude Massock (Yaoundé/Göttingen)

64
Sprache und literarische Verarbeitung der Fremdwahrnehmung.
Das Beispiel der Kolonialliteratur zu Kamerun
Sylvie Nantcha (Freiburg i. Br.)
81
 
Allgemeiner Teil
101
Zwischen Propaganda und Kritik. Frieda von Bülows Kolonialroman Tropenkoller (1896)
Helga Abret-Brauner (Metz)
101
Sprache-Bild-Verbindungen im interlingualen und interkulturellen Vergleich.
Teil 1: Definitorische, theoretische und methodische Grundlegung
Gisela Thome (Saarbrücken)
127
Rezensionen147
Abstracts152
Zu den Autoren 156
Vorankündigungen159